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Abschiedstour

Montagmorgen war es dann soweit. Wir standen alle zusammen an der Straße und warteten das letzte Mal auf den Bus. Genau an diesem Morgen war er sehr pünktlich und wir hatten nur wenig Zeit uns von Peace und ihrer Tochter, Zilla, Christine, Catherine, David und Lacolos zu verabschieden. Es war jedoch gut, dass wir so schnell gehen mussten, so wurde es nicht noch schwerer.

Die letzten zwei Wochen haben wir genutzt um uns von unseren FreundenInnen in Uganda zu verabschieden und langsam zurück zugehen. Wir reisten die erste Woche nach Mbale in Linas altes Projekt Salem, dort kamen wir bei Mirjam der neue Freiwilligen unter. Wir trafen Marius wieder und verbrachten viel Zeit mit Kochen, tollen Gesprächen, Unternehmungen und viel Kaffee.
Wir besuchten Martha mit Familie, ihren Bruder Emma, Kiseka und Rubina. Es ist toll zu sehen, dass wir so viele FreundeInnen hinzu gewonnen haben, aber auch die bestehenden Freundschaften stärken konnten.

Danach waren wir in Kampala und haben auch dort alte FreundeInnen getroffen, sowie neue kennen gelernt. Unser Freundeskreis reicht nun weit über die ganze Welt und es ist toll immer neue Geschichten zu hören. Wir verabschiedeten uns von unseren Lieblings Italienern Paulo und Lorenzo und fuhren für die letzten zwei Tage nach Entebbe. Am Abreisetag regnet es so stark, dass wir klatschnass ins Flugzeug stiegen. In Uganda sagt man, dass es ein Segen ist, wenn es auf einen regnet. In unserem Fall brachte der Regen ganz Uganda durcheinander, sodass wir verspätet in Entebbe los flogen und wir keine Bordkarten für unseren Anschlussflug in Istanbul bekamen.
In Istanbul angekommen wurde das Gate mit dem Flieger nach Franfurt vor unseren Augen geschlossen und wir mussten auf das nächste Flugzeug warten.
Ganz im Uganda Modus regten uns nicht auf, sondern suchten das nächst beste Café und tranken gemütlich erst einmal einen Kaffee.
Abschlussgedanken:

Es war ein Wagnis, eine Reise ins Unbekannte und wir sind alle Drei sehr glücklich und stolz diese Zeit so erlebt zu haben. Wir sind nicht nur als Hebammen-Team zusammen gewachsen, sondern auch als Freundinnen.

Natürlich freuten wir uns wahnsinnig unsere Familien und Freunde/innen wieder zu sehen und sind auch sehr gespannt wie es weiter geht – privat und beruflich.

 

Katharina wird vermutliche ab März freiberuflich mit Vor- und Nachsorgen, sowie Kursen einsteigen. Sie wird das Jahr 2016 nutzen um Weiter- und Fortbildungen zu besuchen, um dann hoffentlich ihren Traum der außerklinischen Geburtshilfe im „Geburtshaus Karlsruhe“

(https://www.happybirthday-deutschland.de/) leben zu können.

 

Antonia und Catalina werden bis März eine Reise quer durch Deutschland machen, um verschiedene Geburtshäuser, Hebammenpraxen und Kreißsäle zu besuchen um dann zu entscheiden, wohin sie ihr Weg führt.

 

Was auch immer kommt, wir haben gelernt entspannt zu sein, zu vertrauen, den Moment zu leben und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen…
…frei nach dem Motto „Mote mote“ („Langsam Langsam“).

 

 

 

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Abschied

Nach acht wunderbaren Monaten in unserem geliebten Atiak, kam im Dezember die Zeit um uns zu verabschieden. Da wir uns für die tolle Zeit gebührend verabschieden wollten, planten wir eine Party. Dazu gehört in Uganda viel Essen und natürlich auch Fleisch! Also kauften wir von Corinna´s Bekannten eine Ziege.
Außerdem wurde Antonia´s Hahn, den sie geschenkt bekommen hatte, geschlachtet.
Im Voraus luden wir unsere lieben traditionellen Hebammen, sowie MitarbeiterInnen und FreundInnen ein, diesen Abend mit uns zu verbringen.
Geplant war zunächst, wie jeden Samstag, zu unterrichten, uns danach von den Hebammen zu verabschieden und dann den Abend mit dem Rest des Teams zu verbringen. Wie das in Uganda so ist, verzögerte sich unser Zeitmanagement ein wenig. Die Lacolos, sowie wir selbst waren spät dran, da es auch Frauen und Neugeborene zu betreuen gab und dazu kam noch der Regen. Nun ja letztendlich ließen wir den Unterricht ausfallen, denn wir wollten genügend Zeit haben um uns zu verabschieden.

Fast alle Lacolos waren gekommen und so konnten wir uns bei allen herzlich mit einem besonderen Essen, einer Kleinigkeit und unseren Worten bedanken. Wir wurden vor 8 Monaten mit offenen Armen aufgenommen und vollständig akzeptiert. Sie waren offen für unsere Vorschläge und haben sich auf Neues eingelassen.
In einem fremden Land, dessen Gebärkultur wir erst Schritt für Schritt kennen lernen mussten, waren unsere Lacolos und ihr Wissen besonders wichtig. Wir teilten nicht nur unser Wissen, sondern auch eine Menge schöner, lustiger und emotionaler Momente.
Es war schön zu hören, dass es ihnen genau so ergangen ist wie uns. Das Feedback war sehr ergreifen und hat uns riesig gefreut.
Lustig war, dass Vorschläge kamen um uns am Gehen zu hindern. Uns wurden so einige Söhne angeboten oder auch vorgeschlagen doch zumindest eine von uns hier zu lassen.

Am besten danken können die Acholis jedoch mit Musik und Tanz, so auch an diesem Samstag. Sie hatten extra einen Musikanten eingeladen, der dann die lokale Musik anstimmte und wir alle dazu tanzten und den Moment genossen.
Natürlich war es nicht einfach auf „Wiedersehen“ zu sagen, aber es war schön sie tanzend zu verlassen.

Nach der ersten Verabschiedung bereiteten wir unser kleines Grillfest mit den MitarbeiterInnen und FreundeInnen vor. Alle halfen mit das Fleisch, Reis, Bohnen, Kuchen, Popcorn und vieles mehr vorzubereiten. Unsere Nachbarin Sr. Margret backte sogar einen leckeren Kuchen für uns. Fast alle waren gekommen um mit uns diesen Abschied zu feiern. Wir tranken Hibiskus Wein von den Nonnen, aßen die zubereiteten Leckereien und grillten zusammen Stockbrot.
Wir hielten eine kleine Dankesrede und saßen mit unseren Lieben lange unter dem Sternenhimmel am Lagerfeuer. Der Abend war von vielen Gefühlen begleitet und wir fielen müde und erschöpft ins Bett.

 

Wir sind in diesen 8 Monaten wirklich zu einer kleinen Familie zusammen gewachsen. Jeder hat mit einer Menge Respekt, Toleranz, Geduld, seinen Fähigkeiten, offenen Armen, viel Humor und vor allem unglaublich viel Liebe dazu beigetragen, dass diese Zeit so unvergesslich für uns wurde.
In Worte zu fassen, was wir gemeinsam erlebt haben ist kaum möglich, aber jede(r) trägt es im Herzen und das verbindet uns.

Was wir in dieser Zeit alles erlebt haben, ist nicht schnell erzählt, aber wir wollen es mit Freude tun und euch teilhaben lassen.

Wie diese Zeit uns persönlich geprägt hat, werdet ihr vermutlich sehen…

Wie diese Zeit uns als Hebammen wachsen ließ, werden vor allem die Familien spüren, die wir in Zukunft betreuen.

Was in dieser Zeit in unseren Herzen geschehen ist, kann jede nur für sich selbst fühlen und ist ganz individuell.

 

Wir haben uns mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge verabschiedet, denn man sieht sich immer zweimal im Leben…

Apwoyo Matek Uganda!!!

 

Zusammenfassung unserer Statistik:

Wir waren abgezogen von Ausreise und freien Tagen ca. 6 Monate im Dienst und haben:

  • 175 Geburten betreut
  • Davon waren 35 Frauen unter 20 Jahre und 139 gleich oder über 20 Jahre alt
  • 108 unter 5. Gravida (Schwangerschaften) und 66 gleich oder über 5. Gravida

 

  • 178 Kinder begrüßt
  • davon waren 96 Mädchen, 81 Jungen
  • 105 unter 3 Kg, 72 gleich oder über 3kg

 

  • 29 Mal ins Krankenhaus verlegt
  • Davon 4 Mal aus Mütterlicher Indikation
  • 6 Mal aus Kindlicher Indikation
  • 19 Mal aus geburtshilflicher Indikation unter Geburt

Frohes Fest euch Allen!

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Vor ein paar Tagen war es soweit und wir sind wohlbehütet im weihnachtlichen Deutschland angekommen. Die ersten Tage haben wir gut mit unseren Freunden und Familie überstanden und freuen uns jetzt auf die spannende kommende Zeit. Ein Abschlussbericht folgt in Kürze.

Vielen Dank fürs Verfolgen unseres Blogs und vor allem ein paar ruhige ugandisch entspannte Tage euch Allen mit Familie!

Eure Antonia, Catalina und Katharina

Eine Geburt…

…ist unglaublich fordernd. Eine Geburt fordert alles von dir. Es fordert Mut, es fordert mentale Stärke, es fordert Willen und Vertrauen.

…ist pure Gewalt. Ein Kind durch ein Becken hindurch zu pressen ist pure physische Gewalt.

…ist unglaubliche Kraft und Power. All deine körperliche und mentale Kraft ist gefordert und auch die deines Kindes.

…ist intensiv wie sonst kaum etwas. Du erlebst so Unglaubliches in so kurzer Zeit und musst das alles verarbeiten und geschehen lassen.

…ist individuell. Keine Geburt gleicht der Anderen, weder in der Zeitdauer, im Verlauf oder der Art wie du es meisterst.

…ist unfassbar. Du wirst es kaum glauben können, dass dein Kind nun kommt.

…ist unberechenbar. Du weißt nie was wie wann kommt. Selbst wenn du das Geschlecht, den Namen oder sogar das Geburtsdatum schon weist, ist trotzdem nicht berechenbar wie dein Kind und du die Geburt meistert, wie euch die Geburt verändert und ihr euch begegnen werdet.

…ist beängstigend. Egal wie viel Videos du schaust, Bücher du liest oder Kurse du besuchst, es bleibt doch jedes Mal etwas, was du so exakt nie zuvor erlebt hast und dein Leben auf den Kopf stellen wird – und das macht Angst.

zwingt dich. Zwingt dich pro Wehe in eine Situation aus der du keinen Ausweg hast, du musst da durch und dein Körper ist in der Lage diese Schmerz jede Wehe aufs Neue zu meistern.

macht Sinn. Denn was macht mehr Sinn, als dein eigen Fleisch und Blut zu gebären?

…ist unglaublich schmerzhaft. Doch kaum ein Schmerz ist so toleriert und akzeptiert wie der Geburtsschmerz, denn jede Wehe bringt dich ein Stück näher zu deinem Kind.

schweißt zusammen. Egal wer dich bei der Geburt begleitet – es bring euch auf eine ganz andere Ebene der Beziehung.

…läuft manchmal nicht nach Plan. Nicht jede Geburt verläuft wie du sie dir gedacht hast. Manche Kinder haben schwer zu kämpfen oder werden sogar still geboren und doch verändert und hilft dir auch diese Geburt dein Kind kennen zu lernen und eine ganz individuelle Beziehung aufzubauen.

…ist das natürlichste auf der Welt. Ein Kind entsteht aus der Natur und auch das Gebären ist ein natürlicher Vorgang, was 100te Male pro Sekunde überall auf der Welt durchlebt wird.

…ist spannend. Wer kommt da auf die Welt? Ist es ein Mädchen oder eine Junge? Wie sieht mein Kind aus? Was für ein Charakter hat er oder sie? Wie reagiert mein Umfeld auf das neue Familienmitglied?

…macht dich stolz. So stolz wie du in deinem Leben kaum mehr sein wirst. Denn du hast eine Geburt gemeistert!

…baut auf Vertrauen auf. Vertrauen in dich, deinen Körper, deine Begleitung und auch Vertrauen zu deiner Hebamme.

…ist eine Erfahrung fürs Leben, die man bei jeder Geburt aufs Neue einzigartig erlebt.

…ist eine Erlösung. Es erlöst dich von der Spannung und der Ungewissheit wen du da genau erwartest. Erlöst dich von vielen Fragen der Anderen, wie „Und ist es schon da?“. Erlöst dich vor der Angst die du vorher hast. Erlöst dich von 10 Monaten voller ungeduldigem Warten auf euer Glück.

…ist der Beginn von etwas Neuem, der Start in ein neues Leben.

beschenkt euch reich. Reicher als du sonst in deinem Leben beschenkt werden kannst. Was ist wertvoller als dein Kind?

…ist unfassbare, bedingungslose und unbeschreibliche Liebe, die entsteht.

 

Also Frauen dieser Erde,

seid mutig und vertraut eurem Körper. Ihr seid in der Lage zu gebären, hört auf euren Instinkt, euer Gefühl, euren Körper und eurer Kind, es wird euch leiten. Freut euch auf dieses Erlebnis und lasst euch auf dieses unglaubliches Abendteuer ein, denn es bringt euch so viel. Hinterher werdet ihr wie verwandelt sein, stolz und mit Liebe erfüllt. Voller Freude eurem eigenen Fleisch und Blut das Leben geschenkt zu haben. Wenn es sich schon für mich als Hebamme so unglaublich richtig anfühlt „nur“ dabei zu sein, wie erfüllt muss es euch als Gebärende dann machen?

Von Herzen eure Hebamme Katharina

 

Die Vielfalt der Geburten

Was macht unseren Beruf eigentlich so großartig und jeden Tag aufs Neue spannend?

Ganz einfach – dass keine Geburt der anderen gleicht! Man kann eine Geburt nicht mit einem Satz beschreiben. Man kann lediglich verschiedene Geburtsgeschichten erleben um eine Vorstellung zu geben. Doch letztendlich muss man einmal dabei gewesen sein um diese unglaubliche Gefühl zu bekommen, dass durch deinen Körper strömt, wenn ein Kind unterwegs ist.

Larissa aus Deutschland und Kike aus Spanien durften dieses Erlebnis bei einem Wochenendbesuch miterleben. Es war wie immer ein Samstagmorgen und das Geburtshaus voll. Morgens um 10 Uhr gebar Nancy ihr erstes Kind. Sie war erst im 8. Monat, sodass wir uns bereit machten, falls ihr Kind sehr klein sein und Hilfe brauchen würde. Nancy war für eine Erstgebärende sehr still und veratmete die Wehen sehr konzentriert. Auch konnte Lina sie wunderbar anleiten, sodass ihre Tochter langsam und ohne Geburtsverletzung auf die Welt kam. Es war eine wunderschöne Geburt in einer sehr ruhigen Stimmung.

Mittags dann bekamen wir einen Anruf, dass Jeniffer im 30 Minuten entfernten Pawel bereits an der Straße auf uns wartete, denn sie bekam ihr zweites Kind und die Begleitung beschrieb die Situation als „dringlich“. Also setzten Lacolo Karamella, Larissa und Katharina sich ins Auto und machten sich bereit das Kind im Auto zu bekommen. Jeniffer saß scheinbar völlig entspannt auf einer Matte auf dem Boden, umzingelt von vielen Freunden und Familie. Die 3 legten legten sie ins Auto und fragten, ob das Kind denn schon ins Becken drücken würde. Sie sagte nein. Während den 30 Minuten nach Hause konnte man lediglich an den Füßen, die sie leicht bewegte erkennen, wenn sie eine Wehe hatte. Es war relativ unmöglich einzuschätzen ob der Muttermund nun 2 oder 10cm eröffnet war. Nun zu Hause angekommen untersuchte wir und es waren tatsächlich schon 9cm. Unglaublich wie stark sie war. Ohne einen Muck hatte sie über 4 Stunden starke (das konnte man am steinharten Bauch erkennen) Wehen ausgehalten. Lediglich als dann ihre Tochter auf die Welt kam, rief sie instinktiv nach ihrer Mutter und lies zu, dass wir von dem Schmerz etwas mit bekamen. Anleitung brauchte sie kaum, denn sie wusste instinktiv wie stark sie pressen musste. Auch sie gebar wunderschön und es war eine tolle ruhige Stimmung und doch komplett anders, als bei Nancy zuvor.

Nun dann kam mittags Susan, ebenfalls eine Erstgebärende, die ein paar Tage zuvor schon mal mit Wehen da gewesen war. Die heftigen Wehen, welche sie schreien und in Panik versetzen, eröffneten den Muttermund unglaublich schnell innerhalb von 5 Stunden. Man konnte an ihrem Gesicht und ihrem Verhalten förmlich erkennen wie viel Gewalt auf den Muttermund und auch das Kind einwirken muss und wie unglaublich schmerzhaft es ist ein Kind zu bekommen. Es war eine sehr intensive Betreuung von uns gefordert, um ihr die Angst etwas zu nehmen. Sie warf sich von rechts nach links, hielt uns fest umklammert, stampfte wütend durch das Geburtshaus und gebar schließlich auf Händen und Füßen ebenfalls ein Mädchen. Sie war sehr erschöpft und zudem hatte sie eine verstärkte Blutung, die wir mit Medikamenten stoppten. Sie war hinterher immer noch etwas geschockt von diesem intensiven Erlebnis und genoss sichtlich die Ruhe.

Anhand diesen Drei Geburtsberichten kann man wunderbar erkenne wie vielfältig gebären ist und wie viel es mit Gefühl, Vertrauen und vor allem Instinkt zu tun hat. Wir sind sehr stolz auf die drei Frauen und ihre Kinder und sind froh, dass alle wohl auf sind.

Schön war auch Larissa und Kike zu erleben, die sehr fasziniert waren und gerne weitere Geburten erleben würden. Larissa meinte: „ Das war das wunderschönste was ich in meinem Leben erleben durfte. Ich habe wirklich die Angst vor dem Gebären verloren!“

Nach der kurzen Zeit, in der wir nun schon Geburten begleiten dürfen, können wir immer noch sagen, dass es jedes Mal aufs Neue ein wunderschönes Erlebnis ist, dass uns Gänsehaut bereitet und uns fesselt. Es macht uns unglaublich glücklich und stolz, dass wir die Möglichkeit haben dürfen dieses wahnsinnig intensive Erlebnis mit dem Paar teilen zu dürfen.

Und dieses Gefühl wird sich niemals ändern…

Kliniktasche vs. Bucket

In Deutschland muss man nur in Google „Kliniktasche Geburt“ eingeben und schon hat man über 100 Listen, die es einem einfach macht alles un/nötige zu packen. Gern macht das Frau selbst und circa 4-6 Wochen vor dem Errechneten Geburtstermin, denn es gibt nichts Schlimmeres wie das Packen dem Mann unter Wehen zu überlassen (für beide Seiten). Mann kann es Frau ja auch nie recht machen 😉

In Uganda besteht der Wäschebucket alias Tasche aus wenigen Dingen.

Vergleichen wir doch einmal die Tasche der Deutschen und die Wäscheschüssel der Ugander:

Kliniktasche Wäsche-Bucket
Mutterpass Mutterpass oder Stück Papier der Vorsorge
Versicherungskarte Bargeld im Falle der Verlegung
Bequemes Longshirt, Bademantel, Jogginghose, Still BH, Stilloberteil, Entlass-Outfit Circa 5 große Tücher zum Umbinden, Unterlegen, Zudecken und als Binden, Unterhose für nach der Geburt
Bequeme Hausschuhe, Flipflops Schuhe? Wozu?
Waschzeug, Zahnputzzeug, Lotion, Gesichtscreme, Labello, Schminke etc. Stück Seife zum Körper, Kind und Wäsche waschen, Öl zum Kind eincremen
Musik, Lesestoff, Musik CD Nichts, Unterhaltung ist immer da, wenn nicht wird viel geschlafen
Müsliriegel, Cola, Banane, Traubenzucker, Nummer vom nächsten Lieferservice für den Partner/ Begleitung Zucker um den Chai Tee zu süßen. Die vielen Besucher bringen Essen mit und auch gibt es Essen aus der Küche
Handy, Laptop, Ipad und sonstige Medien Handy, wenn vorhanden
Kleider für das Babyshooting wenn gewünscht, Kleidung für den Heimweg Circa 15 Stoffstücke, diese werden als Dammschutztuch, zum Abtrocknen und zudecken, sowie als Stoffwindel benutzt
Maxicosi Stofftuch

 

Alles in allem bringen die Ugander 10-15 unterschiedlich große Tücher mit, die dann für alles benutzt werden. Ein Tuch ist Verhüllung des Körpers, Binde, Dammschutztuch, Zudecke für Mutter und Kind, Tragetuch, Windelersatz, Putztuch. Zudem ist Seife mit am Wichtigsten, damit die Begleitung waschen kann nach der Geburt und vor Entlassung.

Vielleicht versucht es ja die ein oder andere werdende Familie einmal aus. Empfehlenswert ist es, denn so spart man eine Menge Plastik, Hautreaktionen auf Binden oder Pampers und vor allem Geld. Waschen muss man sowieso täglich sobald ein Säugling zu Hause ist – und wir müssen das nicht mal von Hand! 😉

Erneute Ausreise

Anfang Oktober war es tatsächlich schon wieder soweit und wir mussten aus Uganda ausreisen.

Unser Visum war abgelaufen. Wir entschieden uns nach der letzten Ausreise, die ja unglücklicherweise mehr Arbeits- als Erholungsstunden bürgte, dieses Mal für ein komplett anderes Ziel. Wir reisten für 14 Tage nach Tansania, Sansibar. Wir konnten diese sonnigen Tage sehr gut nutzen, um nach all den anstrengenden Wochen voller Notfälle und Verlegungen, neue Kraft zu sammeln. Kraft für weitere zwei Monate im Geburtshaus.

Die Arbeitstage im September waren sehr anstrengend, weshalb wir die Freizeit sehr intensiv mit Entspannen verbrachten. Auch sahen wir ein paar Orte auf der kleinen Insel. Die urige Hauptstadt Stone Town wurde uns gezeigt und ebenfalls konnten wir einige der exotischen Geschmacksrichtungen der Gewürzinsel auf einer Gewürztour kosten. Schön war das spontane Wiedersehen mit unserer Vorgängerin Amy, Antonias Cousine Linda mit Freund Dev, sowie den zwei ehemaligen Schulkolleginnen Caro und Belinda, die zufällig alle zur gleichen Zeit auf Sansibar waren. Wir wohnten an einem sehr idyllischen und besonderen Ort, wo wir viele interessante Menschen aus der ganzen Welt getroffen haben, mit denen wir unsere Auslandserfahrungen teilen konnten.

Nachdem wir Gott sei Dank nach zwei schönen Wochen ohne Probleme wieder in Uganda mit einem neuen Visastempel einreisen konnten, sind wir nun seit mehr als 10 Tagen wieder in unserer geliebten ugandischen Kleinfamilie angekommen, die uns wie immer herzlich begrüßt hat. Wir haben alle sehr vermisst und genießen nun die letzten gemeinsamen Wochen.

Während unserer Abwesenheit hat Gründerin Rachel, die uns in der Zeit vertreten hatte, das Geburtshaus neu streichen lassen. Die Räume strahlen nun wieder in voller Pracht – es ist wunderschön anzusehen. Nutzen konnten wir die gemeinsamen Tage auch, um ihr persönlich für die Zeit zu danken, sowie eine Reflexion und ehrliches Feedback unseres Aufenthaltes zu geben.

Ein paar Tage nach unserer Rückkehr bekamen wir auch schon wieder Besuch. Diesmal von Hanni und Janika, die damals mit Katharina zusammen ihr Hebammenexamen gemacht haben. Die Drei nutzten neben der Geburtsbegleitung die Zeit um einen Bauchabdruck mit Gips zu machen. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen. Der Bauch zeigt eine Frau, die im 8. Monat schwanger ist. Schön war auch zu hören, dass Rachel und Olivia, sowie das ganze Team sehr zufrieden mit unserer Arbeit sind und uns und unsere Arbeitsweise sehr schätzen.

Schon bald kommt eine neue Freiwillige, in deren Hände wir dann unsere Arbeit übergeben werden. Wir planen mit einer letzten kleinen Ugandareise unsere Zeit hier abzuschließen, bei der wir Freunde und Bekannte besuchen und uns von ihnen verabschieden wollen. Bis dahin genießen wir sehr unsere verbleibende Zeit, mit vielen intensiven Gesprächen, Geburten, Vor- und Nachsorgen, Unterricht und ganz viel Spaß und Lachen unter der ugandischen Sonne.

P.S. Erfreulich ist, dass der Sohn von unsere Gloria der als Frühchen auf die Welt gekommen war, sehr gut an Gewicht zugenommen hatte. Nach mehreren Wochen bei uns wurde er dann entlassen. Gloria kommt immer wieder vorbei damit wir ihn wiegen können. Beim letzten Mal wog er 2.200 kg. Er sieht gesund aus und Gloria macht einen großartigen Job. (siehe Bilder)